Bauen im Bestand – Anspruchsvolle Planung der Landschaftsarchitekten Hille und Müller

 

Im Rahmen des Grün- und Freiraumkonzeptes am Westbahnhof ist südöstlich des Blumenteiches ein Jugendplatz entstanden. Die Landschaftsarchitekten Hille und Müller planten auf Basis eines vorliegenden Konzeptes die Umsetzung des ersten Bauabschnittes mit einer Fläche von ca. 6.450 m², der sich in folgende Bereiche gliedert:

 

  • Nördlicher Bereich mit Basketballfeld

  • Mittlerer Bereich mit Tischtennisplatten, Ruhezonen und Bühne

  • Südlicher Bereich mit Skateanlage

  • Westlicher Bereich mit Fußballfeld

 

Vor besondere planerische Herausforderungen wurden die Landschaftsarchitekten durch den Standort des Jugendplatzes gestellt, bei dem es sich um ein ehemaliges Industriegelände mit vorhandenen Baulichkeiten handelt, die in das Jugendplatzgelände integriert wurden.

 

Erschließung unter Einbeziehung ehemaliger Strukturen

Der Jugendplatz ist im Süden über die Blumenstraße und im Norden an eine nördlich des Blumenteiches verlaufende Stichstraße angebunden. Die innere Erschließung des Geländes orientiert sich im Wesentlichen an einer ehemaligen Gleistrasse der alten Industrieanlage, die als gestalterischer Aspekt mit in die Planung eingebunden wurde. Zum Teil wurden die Betonflächen der Skateanlage parallel zum ursprünglichen Gleisverlauf als deutlich erhöhte "Bahnsteigkante" abgesetzt. Weiter nach Norden findet sich die Gleistrasse in einem Weg in wassergebundener Decke wieder.

 

Alte Bausubstanz – Neue Nutzungsmöglichkeiten

Das im nördlichen Teil des Jugendplatzes liegende Basketballfeld in Gussasphalt wurde auf dem Betonsockel von zwei ehemaligen, bereits abgerissenen Gebäuden realisiert und an der Süd- und Westseite durch einen 4,00 m hohen Ballfangzaun geschützt.

An das Basketballfeld schließen sich südlich mehrere vorhandene, erhalten gebliebene Hallendächer an, die von der Stadt Braunschweig teilweise saniert und mit einer Beleuchtungsanlage versehen wurden. Im mittleren Bereich unter den Dächern wurden zwei Tischtennisplatten, Ruhezonen und eine Bühnenfläche integriert. Als Windschutz und Raumteiler blieb hier eine Wand erhalten.

 

Verbindung von Gestaltung und Funktion – Schwerpunkt der Architektur in Stadt und Landschaft

Der südliche Bereich des Jugendplatzes wird von einer Skateanlage eingenommen, die teilweise unter den vorhandenen Überdachungen liegt. Die individuelle Gestaltung der Anlage orientiert sich stark an den baulichen Gegebenheiten vor Ort und wurde in enger Zusammenarbeit mit Skatern und Inlinern, den heutigen Nutzern, sowie einem auf Skateanlagen spezialisierten Hersteller entwickelt. Die Skateanlage besteht, aufbauend auf den Sockeln der Hallendächer, aus verschiedenen vorgefertigten Rampen-, Treppen- und Handlaufelementen. Die Fahrflächen zwischen den Skateelementen wurden vor Ort aus bewehrtem Beton hergestellt.

 

Schwierige Planungsverhältnisse mit hohen Anforderungen an den Landschaftsarchitekten

Die Flächen westlich der Skateanlage sind als Rasenflächen ausgebildet, in die ein Fußballfeld integriert ist. Auch dieser Bereich stellte die Landschaftsarchitekten Hille und Müller vor größere planerische Herausforderungen, da ein Teil der asphaltierten Fläche wegen Untergrundverunreinigungen durch die frühere Nutzung nicht entfernt werden durfte. Um hier trotzdem einen "grünen Rasen" zu gewährleisten, wurde das Spielfeld aus Kunstrasen hergestellt.

 

Lärmschutz zur Vermeidung von Nutzungskonflikten im urbanen Raum

Aus Gründen des Lärmschutzes ist zur Abschirmung der östlich an den Jugendplatz angrenzenden Kleingartenanlage die Errichtung einer Lärmschutzwand erforderlich. Diese verläuft entlang der Grundstücksgrenze und ist unter Berücksichtigung der schalltechnischen Berechnungen jeweils nach Norden und Süden hin abgetreppt. Es wurde ein System aus Stahlbetonwandelementen mit Stahlpfosten gewählt, die auf einvibrierten Stahlrohrpfählen gegründet sind.

Die Lärmschutzwand wird rückwärtig mit Kletterpflanzen begrünt, auf der Seite des Jugendplatzes gliedern mehrere Pflanzbereiche mit Bäumen und Sträuchern die Ansichtsfläche der Wand. Die freien Wandflächen der Betonelemente bieten den Jugendlichen ausreichend Raum für künstlerische Ausgestaltung durch Graffiti.

 

Jugendplatz "Westbahnhof", Braunschweig

  • Bauen im Bestand

  • Skateanlagen, Basketball- und Fußballfeld

  • Lärmschutzwand

  • Planungsfläche: 7.700 m²

  • Herstellungssumme: 720.000 €

  • Ausführungszeitraum: 2012-2014

  • Auftraggeber: Stadt Braunschweig, Fachbereich Stadtgrün